„Afrika“- Literaturtipps: Sich ein Bewusstsein anlesen

Als kurze Erinnerung: In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit der medialen Darstellung afrikanischer Länder und der Verantwortung, die wir als Blogger_innen haben, auseinandergesetzt. Da die Thematik viel zu komplex ist, konnte ich sie in dem letzten Beitrag nur anschneiden, verdichten und versuchen Aspekte auf den Punkt zu bringen, die eigentlich so viel mehr Diskussion und Hintergrundinformationen benötigen. Aus diesem Grund möchte ich hier zwei Bücher vorstellen und natürlich wärmstens weiterempfehlen ;-) : Beide haben mir persönlich  geholfen, mein Wissen zu erweitern und mein Handlungs- und Verantwortungsbewusstsein zu verändern.

1. AfrikaBilder- Studien zu Rassismus in Deutschland

cimg1710Bei diesem Buch handelt es sich um sich um einen Sammelband wissenschaftlicher Abhandlungen zum deutschen Afrikadiskurs. Dabei werden die Themen Rassismus, Kolonialismus, Rechtsextremismus (sehr interessant auch unter Anbetracht der aktuellen Entwicklungen), sowie die Rolle der Medien und Sprache in den Vordergrund gestellt- Beleuchtet werden die Bereiche historisch, politisch und gesellschaftlich.

Einige der Texte sind relativ schwer zu lesen, doch das Interesse an den inhaltlichen Analysen und Beobachtungen hat bei mir auf jeden Fall überwogen! ;)  Die Abhandlungen geben einen ganz neuen Einblick in die Mitte unserer deutschen Gesellschaft und ermöglichen ein  Bewusstsein für die rassistischen und kolonialen Denkmuster, mit denen wir leben. Der Sammelband enthält  folgende vierzehn Texte, jeder für sich selbst schon empfehlenswert:

  • Impressionen. Rassismus und der deutsche Afrikadiskurs, (S.Arndt)
  • Die afro-deutsche Minderheit, (M.Ayim)
  • Weiß-Sein in Deutschland: Zur Unsichtbarkeit einer herrschenden Normalität, (U. Wachendorfer)
  • Rassismus und Rechtsextremismus im Zeichen der Globalisierung, (C. Butterwegge)
  • Rassismus und Rechtsextremismus in der deutschen Sprache, (S.Jäger)
  • Medien, Minderheiten und Rassismus: Erfahrungen und Beobachtungen von Journalisten, (R.Koch)
  • Zu rechtsextremen Entwicklungen in den neuen Bundesländern, (B. Wagner)
  • Judenfeindschaft in der deutschen Geschichte- Über den Antisemitismus im deutschen Nationalbewusstsein, (M. Moreitz)
  • Der koloniale Sehnsuchtsfilm- Vom lieben Afrikaner deutscher Filme in der NS-Zeit, (A.P.Nganang)
  • Von Heinz Rühmann bis zum Traumschiff: Bilder von Afrika im deutschen Film, (M. Baer)
  • Die unterbrochene Lektion: Deutsche Schwierigkeiten im Umgang mit afrikanischer Literatur, (J. Riesz)
  • Tausende Ausländer/innen in Abschiebehaft: Gedanken zu einem Gefängnis der besonderen Art in Berlin, (G.Leo)
  • Vom alltäglichen Umgang mit Rassismus: Erfahrungen einer Gruppe Eltern schwarzer Kinder, (A. Zwink)
  • Enwicklungshilfe-Politik in Afrika. Welche Hilfe zu welcher Entwicklung? (C.Jakobeit)

Es braucht seine Zeit, die Texte zu lesen, zu verdauen und zu reflektieren, aber es hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt! Gewidmet ist das Buch „Den Opfern rassistischer Gewalt in Deutschland.“

AfrikaBilder-Studien zu Rassismus in Deutschland, Studienausgabe | Susan Arndt (Hg.) | UNRAST-Verlag, Münster | 199 Seiten | 14,00€

 

2. Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben oder: Wie Journalismus unser Weltbild prägt

img-20160905-wa0000Inhaltlich überschneidet sich dieses Buch mit „AfrikaBilder“ nur teilweise, die Herangehensweise ist dabei eine völlig andere. Bei „Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben“ handelt es sich um die rein subjektiven Erfahrungen der Journalistin Charlotte Wiedemann. Sie lässt uns teilhaben an ihren persönlichen und beruflichen Erfahrungen, an ihren journalistischen Zweifeln und an einem Blickwinkel auf den Journalismus, der uns sonst verwehrt bleiben würde. Dafür nimmt sie uns mit um die Welt und zeigt anhand ihrer persönlichen Geschichten, wie Bilder vom Ausland im Deutschland konstruiert werden, wie sie Kulturen und Menschen begegnet ist und wie sie von ihnen gelernt hat. Sie plädiert für einen Journalismus des Respekts und versucht sowohl in ihrer journalistischen Tätigkeit als auch mit diesem Buch ein differenziertes und würdevolles Bild zu fördern.

Persönlich fand ich den Inhalt ihres Berichts unglaublich spannend und gleichzeitig sehr angenehm zu lesen. Dabei werden Fragen behandelt, die wir als westliche Schreibende immer im Hinterkopf haben sollten: Kann ich die andere Kultur überhaupt begreifen? Wie wirklich ist das, was ich abbilde? Nachdem ich das Buch gelesen habe, habe ich das Konsumieren und Produzieren von Medien mit einem andern Blick gesehen. Sehr empfehlenswert! :)

Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben oder: Wie Journalismus unser Weltbild prägt | Charlotte Wiedemann | Papyrossa Verlag, 2. Auflage 2014 | 196 Seiten | 12,90€

 

Habt ihr noch weitere Literaturempfehlungen oder möglicherweise eines der beiden Bücher bei euch daheim im Regal stehen?

Freue mich schon über eure Anregungen! :)

 

 

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5 Gedanken zu “„Afrika“- Literaturtipps: Sich ein Bewusstsein anlesen

    • chrissywo schreibt:

      Hallo Wolfgang,
      vielen Dank für deinen Buchtipp. Hab aktuell noch einen ganzen Stapel Bücher neben meinem Bett liegen, aber ich hoffe, dass ich den mal abarbeite und Platz für Neues schaffen kann! ;)
      Trotzdem: Inhaltlich ging es mir bei meiner Literaturvorstellung nicht um reine Reiseerzählungen, sondern um kritische Stimmen zur medialen Darstellung, der Verantwortung als Schreibende und das Bewusstsein für das Westlich-Nicht-Westliche Verhältnis. Also schon eine andere Richtung.
      Liebe Grüße! :)

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